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[2020-02-06 10:06:29] #Id: 16399 | View: 2186

Der Comiczeichner Jean Giraud... oder besser: Mœbius

Vom 15.09.2019 an widmete das Max Ernst Museum Brühl des LVR dem französischen Zeichner Mœbius eine Retrospektive in Form von Comicfolgen, abstrakten Gemälden und Druckgrafiken mit rund 450 Werken. Die Ausstellung wurde nun wegen des großen Erfolgs verlängert bis zum 29. März 2020.


Begleitend erschien ein Katalog mit über 240 Abbildungen. Dieser präsentiert Mœbius wie kein anderes Werk. Der französische Künstler erforschte die Sphären der Träume und der Science-Fiction. Mit seinen Ideen inspirierte er nicht nur George Lucas, Ridley Scott oder Hayao Miyazaki, sondern auch zahlreiche Filme in ihrer Entstehung oder gar Mitarbeit. Mœbius entwarf zum Beispiel Bauten für Science-Fiction Filme wie „Tron“, „Alien“ oder „Das fünfte Element“.

„Bei Mœbius verschwimmen die Grenzen zwischen Comicstrip und bildender Kunst.“ Diesen Satz des Museums kann ich voll und ganz unterstreichen. In seinen Geschichten treffen utopische Architekturen und futuristische Megametropolen aufeinander, stehen nebeneinander und, wenn auch seltener, geraten durcheinander. Die Ausstellung widmet sich dem umfangreichen Werk in acht thematisch gegliederten Bereichen. Für Kenner ist die Ausstellung so ähnlich zu sehen, wie für Gläubige der Gang nach Lourdes. Die Ausstellung ist mit ihren mehr als 450 Exponaten wahrscheinlich die größte seit der Pariser Ausstellung. Diese war Anfang der 2000er Jahren die erste große Schau des französischen Künstlers und Comic-Papstes. Unter dem Namen Mœbius ist er international bekannt geworden. Als Comic-Künstler und Comic-Visionär gilt er als einer der einflussreichsten Zeichner des 20. Jahrhunderts.

Jean Henri Gaston Giraud wurde am 8. Mai 1938 in Nogent-sur-Marne nahe Paris geboren und starb am 10. März 2012 nach langer Krankheit eben dort. Er war ein, wenn nicht der bedeutendste, französische Comiczeichner und –scenarist.


Unter seinem bürgerlichen Namen veröffentlichte er den klassischen Western-Comic „Leutnant Blueberry“, den er mit seinem Pseudonym Gir signierte. Daneben schuf er unter seinem zweiten Pseudonym Mœbius phantastische Comics. Diese leben, im Gegensatz zu seinen Western, von assoziativer Bildsprache und experimentellen Erzähltechniken. Und von letzterem handelt die Ausstellung in Brühl.

Jean Girauds Eltern trennten sich, als er drei Jahre alt war.  Er wuchs bei seinen Großeltern auf. Mit 17 Jahren wird Jean Giraud von der Pariser Académie des Beaux-Arts aufgenommen. Er veröffentlichte bereits vorher seine ersten Zeichnungen und erfüllte damit die besten Voraussetzungen für die Akademie. Allerdings nahm er bald darauf eine Auszeit. Seine Mutter hatte zum zweiten Mal geheiratet. Aus diesem Grund wollte er sie besuchen. Er blieb acht Monate in Mexiko und bereiste das Land. Die Landschaften Mexikos, die Wüste und die Farben hatten später einen starken Einfluss auf sein Werk, vor allem auf die phantastischen Comics aus seiner Feder. Dieser Aufenthalt, 1955/56, bescherte ihm ein Initiationserlebnis, das er später in seiner Autobiografie „Histoire de mon double“, wortreich beschreibt: „Auf der Suche nach ein wenig Kühle und Wasser war ich in eine Kneipe am Straßenrand eingetreten. Die Hintertür war offen. Durch diesen leuchtenden offenen Rahmen im Halbschatten sah ich die Wüste sich erstrecken, bis an den Horizont. Ein absolutes Bild.“


Hier sind wir auch schon bei der Brühler Ausstellung. Das Bild einer Figur, die aus einem Haus tritt, präsentiert sich in den unterschiedlichsten Bildern. Großformatig und eine ganze Wand einnehmend stellt Major Gruber das beste Beispiel dar.

Der schweigsame Wüstenkrieger Arzach und Major Gruber, die beiden Protagonisten aus den Science-Fiction-Alben „Arzach“ und „Die luftdichte Garage“ durchqueren immer wieder ästhetische Nachbarschaften der mexikanischen Wüste. Dieses Erlebnis zeigt sich aber auch in seinen Leutnant Blueberry-Erzählungen, die in dieser Ausstellung jedoch keine Rolle spielen.

 „Wenn man ein Bild zeichnet, bewegt es sich nicht mehr, es ist in der Zeit erstarrt“, bedauerte Jean Giraud in einem Interview. Kommen wir kurz zurück zu diesem großformatigen Bild des Majo Gruber. Hier gelang es den Mitarbeitern des Museums, für kurze Momente die Starre aufzulösen und Mœbius digital zu erleben. Mittels mit einer interaktiven Augmented Reality App konnte man die acht großformatigen Bilder zum Leben erwecken. Zwar nur kurzfristig in einer Schleife und auch nur auf dem Mobilfunkgerät – aber trotzdem eine tolle Idee. Die acht Bilder stehen für die acht Themenbereich der Ausstellung.

Um zurück zu kommen auf die Erstarrung... Man sagt von ihm, um die Erstarrung der Bilder zu überwinden würde Mœbius versuchen sich selbst zu überraschen. Dies würde mittels Improvisation gelingen. So sind seine Erzählungen aufgebaut. Er erzählt bewusst alles episodenhaft, beendet vieles nicht und lässt damit dem Leser und Betrachter viel Platz, sich selbst in den Geschichten zu finden und die eigene Phantasie spielen zu lassen. So ist sein Science Fiction Universum nicht festgemauert in den Erden, sondern bietet viel Platz für alle möglichen Spielarten und Gedanken.


1956 hatte Jean Giraud sein Studium an der Académie des Beaux-Arts in Paris beendet. Damals erschien sein erster Comic im Magazin „Far West“. In der Folge sollten weitere Western-Comics erscheinen, auch in anderen Comic-Magazinen. Das Jahr 1961 ist sicherlich eines der Jahre, die ihn am meisten prägen sollten. Er wurde Assistent von Jijé und arbeitete an einer Western-Folge von „Jerry Spring“ für das Magazin „Spirou“ mit. Gir, so Jean Giraud in einem Gespräch, sei der Autor „der klassischen Hollywood-Western“ und halte an der traditionellen narrativen Form des Comicstrips fest. Während Mœbius die „Welt der Träume und Science-Fiction“ erforsche und hier phantastische Abenteuer produziert, oft ohne Konzept und sich mit Text und Bild einfach nur treiben ließe. Seine Phantastik überzeugt oft mit kargen, unwirtlichen Gegenden, die von Menschen belebt werden, wie auch von anderweitigen Lebewesen, ob intelligent oder nicht, die Form ist eher ausschlaggebend. Zwar sind die meisten intelligenten Figuren humanoid, zwei Arme, zwei Beine, ein Kopf, so finden sich aber auch in den „niederen“ Lebensformen von zwei- bis mehrbeinigen Wesen alles was möglich ist. 

Jean Giraud begann 1963 mit der Blueberry-Serie. Über vier Jahrzehnte betreute er Lieutenant-Blueberry und führte die amerikanische Tradition der Abenteuercomics fort. In der Ausstellung in Brühl findet sich jedoch nur ein einziges Porträt des Helden. Und wenn man „unscharf“ hinsieht, wirkt es fast so, als würde sie aus dem Rahmen kommen. An dieser Stelle geht es jedoch nur um seine Werke als Mœbius. Ebenfalls im Jahre 1963 zeichnete er für das Magazin „Hara-Kiri“ satirische Kurzgeschichten.

Diese Arbeit wurde unterbrochen als er 1965 für ein halbes Jahr noch einmal nach Mexiko reiste. 1967 heiratete er seine erste Frau Claudine Conin und sie bekamen zusammen 1969 eine Tochter, 1972 einen Sohn. 1975 gründete er den Verlag Les Humanoïdes Associés (dt. Die vereinigten Humanoiden), zusammen mit Philippe Druillet und Jean-Pierre Dionnet.

In den 1970ern fiel er mit seinen Arbeiten für das eigene Comic-Magazin Métal Hurlant auf. Bald erschienen in den USA der Ableger Heavy Metal und Schwermetall in Deutschland. Allein für die erste Ausgabe des Magazins fertigte er drei Beiträge an. Gerade die Person Arzach wurde bald zum Vorbild für viele moderne Science Fiction Zeichner und Autoren. Sein Pseudonym Mœbius ist angelehnt an den deutschen Mathematiker August Ferdinand Möbius, auf den die Möbiusschleife zurückgeht, und so schuf er zunehmend phantastische und surrealistische Bilderwelten.

Um bei Arzach zu bleiben. Er erschien 1975 in den ersten Ausgaben von Métal Hurlant. Ein Jahr später, im Jahr 1976, erschien das Album. In fünf fast vollständig wortlosen Geschichten reitet der Krieger auf seinem Saurier durch die Luft. Zugleich brach er auch die traditionellen Regeln des Comics, indem bereits ab der zweiten Folge der Name der Serienfigur wechselte. Aus Arzach wird Harzak, Harzack, Arzack und Harzakc. Von der Handlung her waren sie überraschend, denn niemand sollte je erfahren, woher der Krieger kam und was er wollte. Ließ sich der Leser auf das Wagnis ein, in den Comic einzutauchen, nicht nur als Außenstehender zu lesen, konnte er phantastische Abenteuer miterleben. Der ewige Flug des Kriegers war so ziellos, ohne Anfang, kein Ende, wie die Schleife des Mœbius. Im gleichen Jahr führte Giraud in „Garage hermétique“ (dt. Die hermetische Garage des Jerry Cornelius) die Figur Major Gruber ein, einen Erschaffer, Gründer, jedenfalls spezialisiert ohne dies besonders zu erwähnen. Er könnte Giraud selbst darstellen, der sich hier als Held einer Geschichte sieht. Die in sich widersprüchliche Serie erschien bis ins Jahr 1979 und blieb immer ein wenig rätselhaft. 1995 sollte mit L’Homme du Ciguri (dt. Der Mann von der Ciguri) eine Fortsetzung folgen.

1979 baute er Beziehungen zu dem UFO-Gläubigen Jean-Paul Appel-Guéry auf. Giraud zog mit seiner Familie 1983 nach Tahiti und lebte bis 1985 in der Sektengemeinschaft. Es folgte die Trennung von seiner ersten Frau und er lebte mit Isabelle Champeralle 1988 wieder in Frankreich, die Heirat erfolgte 1995.

Mit der Signatur und auch Alter-Ego Mœbius entwickelte Jean Giraud seine Neigung zur Phantastik. Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen, doch fehlt einfach der Platz und im Mittelpunkt soll weiterhin die Ausstellung stehen.

Zu sehen sind in der gelungenen Brühler Ausstellung auch Comic-Serien vom Splitter Verlag und auf sogenannten Tabletts zu lesen. Genauso finden sich Selbstporträts, einzeln oder auch innerhalb der Serien. Mœbius schuf perspektivische, phantastische und surrealistische Bilderwelten mit unbekannten und doch oft vertraut wirkenden Landschaften auf fernen Welten, manche perfekt ausgeführt, andere nur flüchtig skizziert. Seine episodenhaften Geschichten entstanden, ohne dass ein vollständiges Szenario vorlag. Er entwickelte seine Comics vielmehr von Bild zu Bild, ohne den Ausgang des Geschehens zu kennen. Moebius setzte feine Schraffuren ein, für den Schatten, den Wesen und Gegenstände warfen. Die Schraffuren waren jedoch nicht sein einziges Mittel, um die Dreidimensionalität aufzuzeigen. Mit Punkten, mal dichter, mal unterschiedlich groß, ließ sich der gleiche Effekt erzielen. Alles was er zeichnete wirkte oft auf den ersten Blick fremdartig. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich in den Einzelheiten die Ähnlichkeit mit real bestehenden Pflanzen, Steinen etc. Selbst die Sprechblasen wirken nicht wie Fremdkörper sondern scheinen Teil des Bildes zu sein, so harmonisch fügen sie sich in das Gesamtkonzept.


Es beginnt mit kleinen Seiten aus Zeichnungsheften, „Carnets“ genannt, führt weiter über großformatige Einzelbilder bis zu Triptychons und zu wandfüllenden Formaten in schwarz-weiß und Farbe. Die Ausführung ist bei Mœbius sehr unterschiedlich. Seine Techniken beginnen bei Bleistift, Tusche und Pinsel oder Aquarellfarben und enden mit feinem schwarzen Strich. In einigen Einzelbildern zeigt er die Wandlung eines Menschen, der etwas in der Hand hält zu einem grotesken Wesen, das sich weiterverwandelt und zum Schluss doch wieder einen Menschen gebiert, der durchaus Ähnlichkeit mit Mœbius selbst besitzt.

Es gibt Storyboards, Skizzen mit Texten, Bilder mit Sprechblasen an den Wänden um Zitate von Mœbius anzubringen, Seiten mit Umbruch-Anordnungen, um zu verhindern, dass sich ein Gag nicht durch Umblättern totläuft. Die vorgestellten Bildergeschichten oder nur Bilder, sind solche, die komische, abstrakte, spöttische, satirische, ironische, figurative und kritische, phantastische Momente zeigen … Mœbius kann man nicht festlegen. Hier sind wir wieder bei dem Künstler, der starre Verhaltensmustern ablehnt, sie in seiner Arbeit aufbrechen will. Seine organischen und hybriden Formen, die er für seine phantastischen Welten nutzt, gehen auf seine Naturbeobachtungen zurück.

Girauds erstes Selbstporträt aus dem Jahr 1973 ist zu sehen, welches er als Hauptperson in seinem Comicstrip „Le Déviation“ verwendete. In späteren Zeichnungen hat er sich als gezeichnete Person hin und wieder selbst verewigt. Der Weltenträumer, der sich selbst erkennt.

Ohne diesen Weltenträumer wäre beispielsweise die Ausstattung der Star-Wars – Filme undenkbar gewesen. Das Gleiche gilt bei anderen Produktionen wie Alien,  Tron oder Das fünfte Element. An diesen Kinoblockbustern hat er unmittelbar mitgewirkt. Doch leider geht man in der Ausstellung nicht darauf ein. Mœbius wird hier „nur“ auf seine Comics reduziert.


Von 1984 bis 1989 lebte Mœbius in den USA. Sogar im amerikanischen Superhelden-Comic hinterließ Mœbius seine Spuren. 1988 entstand mit der Marvel-Legende Stan Lee eine Folge des neu veröffentlichten „Silver Surfers“.

Jean Giraud, der sich selbst als natural born drawer, natürlich geborener Zeichner, bezeichnete war schon längere Zeit schwer krank. Dennoch arbeitete er bis zu seinem Tod weiter. Die Ausstellung in Brühl huldigt einem Zeichner, der seinesgleichen sucht. {ESc}

[upd. 2020-02-06 10:05:58::31(STr)]

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Der Comiczeichner Jean Giraud... oder besser: Mœbius

Vom 15.09.2019 an widmete das Max Ernst Museum Brühl des LVR dem französischen Zeichner Mœbius eine Retrospektive in Form von Comicfolgen, abstrakten Gemälden und Druckgrafiken mit rund 450 Werken. Die Ausstellung wurde nun wegen des großen Erfolgs verlängert bis zum 29. März 2020.


Begleitend erschien ein Katalog mit über 240 Abbildungen. Dieser präsentiert Mœbius wie kein anderes Werk. Der französische Künstler erforschte die Sphären der Träume und der Science-Fiction. Mit seinen Ideen inspirierte er nicht nur George Lucas, Ridley Scott oder Hayao Miyazaki, sondern auch zahlreiche Filme in ihrer Entstehung oder gar Mitarbeit. Mœbius entwarf zum Beispiel Bauten für Science-Fiction Filme wie „Tron“, „Alien“ oder „Das fünfte Element“.

„Bei Mœbius verschwimmen die Grenzen zwischen Comicstrip und bildender Kunst.“ Diesen Satz des Museums kann ich voll und ganz unterstreichen. In seinen Geschichten treffen utopische Architekturen und futuristische Megametropolen aufeinander, stehen nebeneinander und, wenn auch seltener, geraten durcheinander. Die Ausstellung widmet sich dem umfangreichen Werk in acht thematisch gegliederten Bereichen. Für Kenner ist die Ausstellung so ähnlich zu sehen, wie für Gläubige der Gang nach Lourdes. Die Ausstellung ist mit ihren mehr als 450 Exponaten wahrscheinlich die größte seit der Pariser Ausstellung. Diese war Anfang der 2000er Jahren die erste große Schau des französischen Künstlers und Comic-Papstes. Unter dem Namen Mœbius ist er international bekannt geworden. Als Comic-Künstler und Comic-Visionär gilt er als einer der einflussreichsten Zeichner des 20. Jahrhunderts.

Jean Henri Gaston Giraud wurde am 8. Mai 1938 in Nogent-sur-Marne nahe Paris geboren und starb am 10. März 2012 nach langer Krankheit eben dort. Er war ein, wenn nicht der bedeutendste, französische Comiczeichner und –scenarist.


Unter seinem bürgerlichen Namen veröffentlichte er den klassischen Western-Comic „Leutnant Blueberry“, den er mit seinem Pseudonym Gir signierte. Daneben schuf er unter seinem zweiten Pseudonym Mœbius phantastische Comics. Diese leben, im Gegensatz zu seinen Western, von assoziativer Bildsprache und experimentellen Erzähltechniken. Und von letzterem handelt die Ausstellung in Brühl.

Jean Girauds Eltern trennten sich, als er drei Jahre alt war.  Er wuchs bei seinen Großeltern auf. Mit 17 Jahren wird Jean Giraud von der Pariser Académie des Beaux-Arts aufgenommen. Er veröffentlichte bereits vorher seine ersten Zeichnungen und erfüllte damit die besten Voraussetzungen für die Akademie. Allerdings nahm er bald darauf eine Auszeit. Seine Mutter hatte zum zweiten Mal geheiratet. Aus diesem Grund wollte er sie besuchen. Er blieb acht Monate in Mexiko und bereiste das Land. Die Landschaften Mexikos, die Wüste und die Farben hatten später einen starken Einfluss auf sein Werk, vor allem auf die phantastischen Comics aus seiner Feder. Dieser Aufenthalt, 1955/56, bescherte ihm ein Initiationserlebnis, das er später in seiner Autobiografie „Histoire de mon double“, wortreich beschreibt: „Auf der Suche nach ein wenig Kühle und Wasser war ich in eine Kneipe am Straßenrand eingetreten. Die Hintertür war offen. Durch diesen leuchtenden offenen Rahmen im Halbschatten sah ich die Wüste sich erstrecken, bis an den Horizont. Ein absolutes Bild.“


Hier sind wir auch schon bei der Brühler Ausstellung. Das Bild einer Figur, die aus einem Haus tritt, präsentiert sich in den unterschiedlichsten Bildern. Großformatig und eine ganze Wand einnehmend stellt Major Gruber das beste Beispiel dar.

Der schweigsame Wüstenkrieger Arzach und Major Gruber, die beiden Protagonisten aus den Science-Fiction-Alben „Arzach“ und „Die luftdichte Garage“ durchqueren immer wieder ästhetische Nachbarschaften der mexikanischen Wüste. Dieses Erlebnis zeigt sich aber auch in seinen Leutnant Blueberry-Erzählungen, die in dieser Ausstellung jedoch keine Rolle spielen.

 „Wenn man ein Bild zeichnet, bewegt es sich nicht mehr, es ist in der Zeit erstarrt“, bedauerte Jean Giraud in einem Interview. Kommen wir kurz zurück zu diesem großformatigen Bild des Majo Gruber. Hier gelang es den Mitarbeitern des Museums, für kurze Momente die Starre aufzulösen und Mœbius digital zu erleben. Mittels mit einer interaktiven Augmented Reality App konnte man die acht großformatigen Bilder zum Leben erwecken. Zwar nur kurzfristig in einer Schleife und auch nur auf dem Mobilfunkgerät – aber trotzdem eine tolle Idee. Die acht Bilder stehen für die acht Themenbereich der Ausstellung.

Um zurück zu kommen auf die Erstarrung... Man sagt von ihm, um die Erstarrung der Bilder zu überwinden würde Mœbius versuchen sich selbst zu überraschen. Dies würde mittels Improvisation gelingen. So sind seine Erzählungen aufgebaut. Er erzählt bewusst alles episodenhaft, beendet vieles nicht und lässt damit dem Leser und Betrachter viel Platz, sich selbst in den Geschichten zu finden und die eigene Phantasie spielen zu lassen. So ist sein Science Fiction Universum nicht festgemauert in den Erden, sondern bietet viel Platz für alle möglichen Spielarten und Gedanken.


1956 hatte Jean Giraud sein Studium an der Académie des Beaux-Arts in Paris beendet. Damals erschien sein erster Comic im Magazin „Far West“. In der Folge sollten weitere Western-Comics erscheinen, auch in anderen Comic-Magazinen. Das Jahr 1961 ist sicherlich eines der Jahre, die ihn am meisten prägen sollten. Er wurde Assistent von Jijé und arbeitete an einer Western-Folge von „Jerry Spring“ für das Magazin „Spirou“ mit. Gir, so Jean Giraud in einem Gespräch, sei der Autor „der klassischen Hollywood-Western“ und halte an der traditionellen narrativen Form des Comicstrips fest. Während Mœbius die „Welt der Träume und Science-Fiction“ erforsche und hier phantastische Abenteuer produziert, oft ohne Konzept und sich mit Text und Bild einfach nur treiben ließe. Seine Phantastik überzeugt oft mit kargen, unwirtlichen Gegenden, die von Menschen belebt werden, wie auch von anderweitigen Lebewesen, ob intelligent oder nicht, die Form ist eher ausschlaggebend. Zwar sind die meisten intelligenten Figuren humanoid, zwei Arme, zwei Beine, ein Kopf, so finden sich aber auch in den „niederen“ Lebensformen von zwei- bis mehrbeinigen Wesen alles was möglich ist. 

Jean Giraud begann 1963 mit der Blueberry-Serie. Über vier Jahrzehnte betreute er Lieutenant-Blueberry und führte die amerikanische Tradition der Abenteuercomics fort. In der Ausstellung in Brühl findet sich jedoch nur ein einziges Porträt des Helden. Und wenn man „unscharf“ hinsieht, wirkt es fast so, als würde sie aus dem Rahmen kommen. An dieser Stelle geht es jedoch nur um seine Werke als Mœbius. Ebenfalls im Jahre 1963 zeichnete er für das Magazin „Hara-Kiri“ satirische Kurzgeschichten.

Diese Arbeit wurde unterbrochen als er 1965 für ein halbes Jahr noch einmal nach Mexiko reiste. 1967 heiratete er seine erste Frau Claudine Conin und sie bekamen zusammen 1969 eine Tochter, 1972 einen Sohn. 1975 gründete er den Verlag Les Humanoïdes Associés (dt. Die vereinigten Humanoiden), zusammen mit Philippe Druillet und Jean-Pierre Dionnet.

In den 1970ern fiel er mit seinen Arbeiten für das eigene Comic-Magazin Métal Hurlant auf. Bald erschienen in den USA der Ableger Heavy Metal und Schwermetall in Deutschland. Allein für die erste Ausgabe des Magazins fertigte er drei Beiträge an. Gerade die Person Arzach wurde bald zum Vorbild für viele moderne Science Fiction Zeichner und Autoren. Sein Pseudonym Mœbius ist angelehnt an den deutschen Mathematiker August Ferdinand Möbius, auf den die Möbiusschleife zurückgeht, und so schuf er zunehmend phantastische und surrealistische Bilderwelten.

Um bei Arzach zu bleiben. Er erschien 1975 in den ersten Ausgaben von Métal Hurlant. Ein Jahr später, im Jahr 1976, erschien das Album. In fünf fast vollständig wortlosen Geschichten reitet der Krieger auf seinem Saurier durch die Luft. Zugleich brach er auch die traditionellen Regeln des Comics, indem bereits ab der zweiten Folge der Name der Serienfigur wechselte. Aus Arzach wird Harzak, Harzack, Arzack und Harzakc. Von der Handlung her waren sie überraschend, denn niemand sollte je erfahren, woher der Krieger kam und was er wollte. Ließ sich der Leser auf das Wagnis ein, in den Comic einzutauchen, nicht nur als Außenstehender zu lesen, konnte er phantastische Abenteuer miterleben. Der ewige Flug des Kriegers war so ziellos, ohne Anfang, kein Ende, wie die Schleife des Mœbius. Im gleichen Jahr führte Giraud in „Garage hermétique“ (dt. Die hermetische Garage des Jerry Cornelius) die Figur Major Gruber ein, einen Erschaffer, Gründer, jedenfalls spezialisiert ohne dies besonders zu erwähnen. Er könnte Giraud selbst darstellen, der sich hier als Held einer Geschichte sieht. Die in sich widersprüchliche Serie erschien bis ins Jahr 1979 und blieb immer ein wenig rätselhaft. 1995 sollte mit L’Homme du Ciguri (dt. Der Mann von der Ciguri) eine Fortsetzung folgen.

1979 baute er Beziehungen zu dem UFO-Gläubigen Jean-Paul Appel-Guéry auf. Giraud zog mit seiner Familie 1983 nach Tahiti und lebte bis 1985 in der Sektengemeinschaft. Es folgte die Trennung von seiner ersten Frau und er lebte mit Isabelle Champeralle 1988 wieder in Frankreich, die Heirat erfolgte 1995.

Mit der Signatur und auch Alter-Ego Mœbius entwickelte Jean Giraud seine Neigung zur Phantastik. Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen, doch fehlt einfach der Platz und im Mittelpunkt soll weiterhin die Ausstellung stehen.

Zu sehen sind in der gelungenen Brühler Ausstellung auch Comic-Serien vom Splitter Verlag und auf sogenannten Tabletts zu lesen. Genauso finden sich Selbstporträts, einzeln oder auch innerhalb der Serien. Mœbius schuf perspektivische, phantastische und surrealistische Bilderwelten mit unbekannten und doch oft vertraut wirkenden Landschaften auf fernen Welten, manche perfekt ausgeführt, andere nur flüchtig skizziert. Seine episodenhaften Geschichten entstanden, ohne dass ein vollständiges Szenario vorlag. Er entwickelte seine Comics vielmehr von Bild zu Bild, ohne den Ausgang des Geschehens zu kennen. Moebius setzte feine Schraffuren ein, für den Schatten, den Wesen und Gegenstände warfen. Die Schraffuren waren jedoch nicht sein einziges Mittel, um die Dreidimensionalität aufzuzeigen. Mit Punkten, mal dichter, mal unterschiedlich groß, ließ sich der gleiche Effekt erzielen. Alles was er zeichnete wirkte oft auf den ersten Blick fremdartig. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich in den Einzelheiten die Ähnlichkeit mit real bestehenden Pflanzen, Steinen etc. Selbst die Sprechblasen wirken nicht wie Fremdkörper sondern scheinen Teil des Bildes zu sein, so harmonisch fügen sie sich in das Gesamtkonzept.


Es beginnt mit kleinen Seiten aus Zeichnungsheften, „Carnets“ genannt, führt weiter über großformatige Einzelbilder bis zu Triptychons und zu wandfüllenden Formaten in schwarz-weiß und Farbe. Die Ausführung ist bei Mœbius sehr unterschiedlich. Seine Techniken beginnen bei Bleistift, Tusche und Pinsel oder Aquarellfarben und enden mit feinem schwarzen Strich. In einigen Einzelbildern zeigt er die Wandlung eines Menschen, der etwas in der Hand hält zu einem grotesken Wesen, das sich weiterverwandelt und zum Schluss doch wieder einen Menschen gebiert, der durchaus Ähnlichkeit mit Mœbius selbst besitzt.

Es gibt Storyboards, Skizzen mit Texten, Bilder mit Sprechblasen an den Wänden um Zitate von Mœbius anzubringen, Seiten mit Umbruch-Anordnungen, um zu verhindern, dass sich ein Gag nicht durch Umblättern totläuft. Die vorgestellten Bildergeschichten oder nur Bilder, sind solche, die komische, abstrakte, spöttische, satirische, ironische, figurative und kritische, phantastische Momente zeigen … Mœbius kann man nicht festlegen. Hier sind wir wieder bei dem Künstler, der starre Verhaltensmustern ablehnt, sie in seiner Arbeit aufbrechen will. Seine organischen und hybriden Formen, die er für seine phantastischen Welten nutzt, gehen auf seine Naturbeobachtungen zurück.

Girauds erstes Selbstporträt aus dem Jahr 1973 ist zu sehen, welches er als Hauptperson in seinem Comicstrip „Le Déviation“ verwendete. In späteren Zeichnungen hat er sich als gezeichnete Person hin und wieder selbst verewigt. Der Weltenträumer, der sich selbst erkennt.

Ohne diesen Weltenträumer wäre beispielsweise die Ausstattung der Star-Wars – Filme undenkbar gewesen. Das Gleiche gilt bei anderen Produktionen wie Alien,  Tron oder Das fünfte Element. An diesen Kinoblockbustern hat er unmittelbar mitgewirkt. Doch leider geht man in der Ausstellung nicht darauf ein. Mœbius wird hier „nur“ auf seine Comics reduziert.


Von 1984 bis 1989 lebte Mœbius in den USA. Sogar im amerikanischen Superhelden-Comic hinterließ Mœbius seine Spuren. 1988 entstand mit der Marvel-Legende Stan Lee eine Folge des neu veröffentlichten „Silver Surfers“.

Jean Giraud, der sich selbst als natural born drawer, natürlich geborener Zeichner, bezeichnete war schon längere Zeit schwer krank. Dennoch arbeitete er bis zu seinem Tod weiter. Die Ausstellung in Brühl huldigt einem Zeichner, der seinesgleichen sucht. {ESc}

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